Alle Facetten des Tauchens hatte dieser See zu bieten. Schon an der Oberfläche glitzerte das Wasser im Sonnenlicht, und die ersten Meter wirkten einladend warm und klar. Die Seerosen standen dicht unter der Oberfläche, ihre grünen Blätter schwebten wie kleine Inseln im Licht, ein vertrauter Anblick, der jeden Einstieg in diesen See begleitet.



Bereits bei zwei Metern traf ich auf die erste Sprungschicht: ein feiner Temperaturwechsel, der das Wasser leicht flimmern ließ. Es sah aus wie die Luftspiegelungen auf einer heißen Sommerstraße, ein faszinierendes Spiel aus Licht und Wärme. Auf sechs Metern folgte die nächste Schicht, erneut mit diesem flirrenden Effekt, der die Pflanzen und den Boden darunter wie durch eine vibrierende Linse erscheinen ließ.






Doch ab etwa zehn Metern änderte sich alles. Dort lag eine dichte, natürliche Nebelschicht, die sich wie ein endloser Schleier durch den gesamten See zog. Kein Karpfennebel, kein kurz aufgewirbeltes Sediment, sondern ein fester Bestandteil der Sprungschichten, ein Übergang, der den See in zwei Welten teilte. Tiefer als zehn Meter ging es an diesem Tag nicht mehr, denn die Sicht verschwand dort vollständig im milchigen Weiß.
Während ich parallel zum Ufer tauchte, veränderte sich der See. Licht, Klarheit und Stimmung wechselten ständig. Immer wieder tauchten kleine, lokal begrenzte Nebelbänke auf, diesmal tatsächlich von Karpfen verursacht, die im oberen Bereich im Sediment gewühlt hatten. Sie hüllten einzelne Bereiche in eine sanfte Trübung, die sich langsam wieder auflöste.






Und dann waren da die Schatten. Bäume am Ufer warfen dunkle Bereiche ins Wasser, die durch die Sedimentwolken der Karpfen noch intensiver wirkten. Orte, an denen das Licht kaum noch ankam und der See eine fast geheimnisvolle, abgeschottete Atmosphäre bekam.
Ein See voller Kontraste: Flimmerndes Wasser, klare Fenster, schwebende Nebel, dunkle Zonen. Ein Tauchgang, der zeigte, wie lebendig und vielschichtig selbst ein flacher Tauchgang im Baggersee sein kann.
